ADHS und Zeitgefühl – warum „gleich“ und „später“ so schwierig sein können

„Ich mache das gleich.“ „Ich brauche nur noch fünf Minuten.“ „Bis dahin habe ich noch genug Zeit.“ Viele Erwachsene mit ADHS kennen solche Sätze – und ebenso häufig die Überraschung, wenn aus fünf Minuten plötzlich eine halbe Stunde geworden ist oder ein Termin auf einmal unmittelbar bevorsteht. Im Zusammenhang mit ADHS wird dafür häufig der Begriff „Time Blindness“ – Zeitblindheit – verwendet. Gemeint ist damit keine tatsächliche Blindheit für Zeit, sondern Schwierigkeiten dabei, Zeit zuverlässig einzuschätzen, vorauszuplanen…

ADHS und ständige Müdigkeit – warum bin ich immer so erschöpft?

ADHS wird häufig mit innerer Unruhe, hoher Aktivität und dem sprichwörtlichen „nicht stillsitzen können“ verbunden. Umso irritierender kann es sein, wenn genau das Gegenteil zum Alltag gehört: ständige Müdigkeit, Erschöpfung, Brain Fog oder das Gefühl, tagsüber jederzeit schlafen zu können. Tatsächlich berichten viele Erwachsene mit ADHS über ausgeprägte Tagesmüdigkeit. ADHS und Müdigkeit schließen sich also keineswegs aus. Müde oder schläfrig – das ist nicht dasselbe Zunächst lohnt sich eine wichtige Unterscheidung. Erschöpfung oder Fatigue bedeutet, wenig Energie…

ADHS und Perfektionismus – wenn „gut genug“ sich nicht gut genug anfühlt

ADHS und Perfektionismus – passt das überhaupt zusammen? Menschen mit ADHS gelten schließlich eher als chaotisch, vergesslich oder unorganisiert. Perfektionismus klingt nach dem genauen Gegenteil: alles kontrollieren, keine Fehler machen und möglichst perfekt vorbereitet sein. Und trotzdem kennen viele Erwachsene mit ADHS Gedanken wie: „Wenn ich es nicht richtig machen kann, fange ich lieber gar nicht erst an.“ Oder: „Ich muss alles noch einmal überprüfen – vielleicht habe ich etwas übersehen.“ Perfektionismus kann bei ADHS…

ADHS und Hyperfokus – hoch konzentriert statt unaufmerksam?

„Du hast doch ADHS – wie kannst du dann stundenlang konzentriert sein?“ Diese Frage hören Erwachsene mit ADHS nicht selten. Tatsächlich berichten viele, dass sie sich bei bestimmten Tätigkeiten so intensiv konzentrieren können, dass sie Zeit, Hunger oder ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. Dieses Phänomen wird häufig als Hyperfokus bezeichnet. Auf den ersten Blick scheint das im Widerspruch zu ADHS zu stehen. Doch ADHS bedeutet nicht, grundsätzlich unfähig zu sein, sich zu konzentrieren. Vielmehr kann es schwierig…

Mutterschaft mit ADHS – wenn Familienalltag und eigenes Gehirn gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen

Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Struktur, Geduld und erstaunlich viele Dinge, an die man gleichzeitig denken muss: Brotdosen, Arzttermine, Schulmails, Sportsachen, Geburtstage, Wäsche, Schlafenszeiten – und irgendwo dazwischen auch noch Zeit für sich selbst. Für Mütter mit ADHS kann genau diese permanente Organisationsleistung besonders herausfordernd sein. Das bedeutet nicht, dass Frauen mit ADHS schlechtere Mütter sind. Aber einige typische ADHS-Symptome treffen im Familienalltag auf besonders hohe Anforderungen an Planung, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Emotionsregulation. Warum kann Mutterschaft ADHS besonders…

ADHS und Rejection Sensitive Dysphoria – wenn Kritik besonders weh tut

Ein kritischer Kommentar des Chefs, eine unbeantwortete Nachricht oder das Gefühl, bei anderen nicht gut anzukommen: Manche Erwachsene mit ADHS erleben solche Situationen mit einer außergewöhnlich starken emotionalen Reaktion. Im Internet wird dafür häufig der Begriff Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) verwendet. Doch was steckt dahinter – und ist RSD tatsächlich ein Symptom von ADHS? Was bedeutet Rejection Sensitive Dysphoria? Der Begriff beschreibt eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber tatsächlicher oder vermeintlicher Ablehnung, Kritik oder Zurückweisung. Betroffene berichten beispielsweise von: Manchmal…

AD(H)S und die sog. therapieresistente Depression

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, doch nicht jede Behandlung führt zum gewünschten Erfolg. Wenn mehrere Therapieansätze keine ausreichende Wirkung zeigen, spricht man von einer therapieresistenten Depression. In der Forschung rückt dabei zunehmend ein Faktor in den Fokus, der lange unterschätzt wurde: ADHS im Erwachsenenalter. Zwischen ADHS und Depression besteht ein enger Zusammenhang. Studien zeigen, dass Erwachsene mit ADHS deutlich häufiger an Depressionen erkranken und diese oft früher, intensiver und langwieriger verlaufen. Ein wesentlicher…

Essen und Neurodivergenz: Wenn Wahrnehmung den Speiseplan bestimmt

Wenn Essen schwierig ist – ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder) beschreibt eine Form der Essstörung, bei der die Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt und hochselektiv ist. ARFID tritt überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit ADHS oder Störungen aus dem Autismus-Spektrum auf. Essen gilt oft als etwas Selbstverständliches – als Genuss, als Ritual, als sozialer Moment. Für manche Erwachsene ist es jedoch genau das Gegenteil: belastend, anstrengend oder mit Unbehagen verbunden. Wenn Sie sich darin wiederfinden, könnte ARFID eine Rolle…

Frauen mit ADHS und komorbider Autismus-Spektrum-Störung

Viele erwachsene Frauen erleben nach einer ADHS-Diagnose Erleichterung – und gleichzeitig das Gefühl, dass etwas nicht ganz erklärt ist. Soziale Erschöpfung, starke Reizempfindlichkeit, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Struktur oder das lebenslange Gefühl, „anders“ zu sein, passen nicht immer vollständig ins klassische ADHS-Bild. Bei einem Teil der Betroffenen liegt zusätzlich eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) vor. Diese Kombination wird bei Frauen besonders häufig spät oder gar nicht erkannt. Wie häufig ist ADHS + ASS? Die Kombination ist keine Seltenheit….

Neue Studien: Nichtmedikamentöse Therapien bei ADHS wirken – aber nicht so stark wie Stimulanzien

Viele von uns wünschen sich Alternativen zu Medikamenten. Schließlich ist der Gedanke, das eigene ADHS „ohne Pillen“ zu behandeln, verlockend. Doch zwei neue, umfangreiche Studien zeigen: Stimulanzien bleiben die wirksamste Behandlungsmethode – auch im Erwachsenenalter. Stimulanzien wirken nachweislich am besten Eine große Meta-Analyse, veröffentlicht in The Lancet Psychiatry, wertete 113 Studien mit fast 15.000 Erwachsenen (zwischen 19 und 44 Jahren) aus. Das Ergebnis war eindeutig:➡️ Stimulanzien – also Medikamente wie Methylphenidat (z. B. Ritalin®, Medikinet®) und Amphetamine (z. B. Elvanse®) – reduzierten die ADHS-Symptome deutlich…